Erneut zahlreiche Beweisanträge der Verteidigung zurückgewiesen

18.01.2011 – Bislang ist kaum ein Gerichtstag vergangen, ohne daß die Verteidigung nicht umfangreiche Beweisanträge gestellt hätte: Nicht  verwunderlich demnach, daß das Müchener Schwurgericht immer wieder in umfangreichen Beschlüssen auf diese Anträge prozessual reagieren muß. Soweit es der Verteidigung mit solchen Anträgen darum gehen muß, die Beweisaufnahme in ihrem Sinne zu gestalten oder zumindest das Erkenntnisinteresse des Gerichts zu wecken, so scheint dies im Demanjanjuk-Verfahren bislang jedenfalls gründlich mißlungen zu sein.

In dem 11 Seiten langen Beschluß, der heute im Münchener Schwurgerichtssaal verkündet wurde, arbeitete sich das Gericht daher abermals an zahllosen Anträgen ab, die Verteidiger Dr. Busch in den zurückliegenden Monaten – z.T. wiederholt – gestellt hatte. Neben der regelmäßig wiederkehrenden Forderung des Verteidigers auf Beiziehung “sämtlicher” Ermittlungsakten speziell aus Israel begehrte der Verteidiger aber auch die Vernehmung des ehemaligen Sobibor-Häftlings Alexej Weizen zum Beweis der Tatsache, daß Demjanjuk sich nie in Sobibor aufgehalten habe.

Über diesen russischen Zeugen ist wenig bekannt, allerdings soll er sich nach einem 2008 erschienenen Pressebericht der TAZ als Arbeitshäftling bis zum Sobiboraufstand am 14.10.1943 im Lager befunden haben. Einige Monate nach Beginn des Demjanjukverfahrens berichtete dann eine tschechische Radiostation im Frühjahr 2010 , daß Weizen einer Reporterin dieses Senders gegenüber angegeben habe, Demjanjuk auf alten Bildern als SS-Wachmann wiedererkennen zu können.

Nun kann es der Verteidigung natürlich nicht gelegen sein, einen Zeugen aufzurufen, der im Sinne der Anklage bestätigt, Demjanjuk sei in Sobibor gewesen. Demnach behauptet Verteidiger Dr. Busch in seinem Beweisantrag, Weizen werde vielmehr die Nichtanwesenheit Demjanjuks in Sobibor bestätigen können. Soweit Weizen iin einem Interview angegeben habe, Demjanjuk in Sobibor gesehen zu haben, habe er diesen mit einem anderen Wachmann im Lager verwechselt, so die Verteidigung. Woher diese Information stammt und worauf die angebliche Verwechslung gründen soll, ist in dem Beweisantrag allerdings nicht mitgeteilt.

Das Schwurgericht führte in einem weiteren Beschluß vom 19.01.2011 daher nochmals aus, daß die Strafkammer keinen Anlaß sehe, diesen Zeugen zu vernehmen: Zum einen soll Alexej Weizen in dem Interview u.a. auch gesagt haben, Demjanjuk sei kein einfacher Wachmann, sondern “Senior-Wachmann” gewesen – was sich nach Aktenlage gerade nicht bestätigt. Weiterhin habe der Reporter zu dem Interview auch angemerkt, der 87-Jährige Weizen sei nach einem weiteren Gespräch müde geworden und habe “wirres Zeug” gesprochen, weswegen sich die Strafkammer in keiner Richtung einen Erkenntnisgewinn von dessen Vernehmung versprechen konnte.

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