Externer Sachverständiger bestätigt erneut Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten

Vor dem Münchener Schwurgericht hat ein externer medizinischer Sachverständiger am 25.011.2010 die Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten John “Iwan” Demjanjuk erneut bestätigt. Wie Prof. Nerl vom Klinikum Schwabing im Einzelnen ausführte, hätte weder eine Auswertung der bisherigen Klinikunterlagen noch die in 2010 durchgeführten Untersuchungen Anhaltspunkte dafür ergeben, daß der Angeklagte aus gesundheitlichen Gründen an der Verhandlung nicht teilnehmen könne. 

In der Zusammenschau der früheren Vorgeschichte seit Frühjahr 2009 mit den nun aktuell bis November 2010 erhobenen Befunden könne sowohl die Frage der Haftfähigkeit als auch der Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten eindeutig bejaht werden. Die bereits in einem Vorgutachten gemachten Einschränkungen aufgrund des fortgeschrittenen Alters sowie v.a. der Rückenschmerzen bestünden jedoch fort, so der Gutachter. Gemeint ist hiermit in erster Linie der Umstand, daß gegen Demjanjuk an jedem Gerichtstag nach wie vor zeitlich nur begrenzt verhandelt werden darf.

Der Angeklagte leide aus medizinischer Sicht - neben einer leichten Anämie – an einem sogenannten myelodysplastischen Syndrom, einer Knochenmarkserkrankung, die insbesondere im unbehandelten Krankheitsverlauf zu einer Leukämie führen kann. Hinweise, daß dies bei dem Angeklagten medizinisch festzustellen oder zu besorgen wäre, konnten nach Meinung des Sachverständigen jedoch nach wie vor nicht gefunden werden. Bei Herrn Demjanjuk seien zwischen April und November 2010 31 Blutuntersuchungen durchgeführt worden, “mehr, als ich aus klinischer Sicht normalerweise bei Patienten anordnen würde”, so Prof. Nerl. Entgegen der Behauptung der Verteidigung, welche in einem früheren Antrag auf regelmäßig überdurchschnittlich schlechte Hämoglobinwerte des Angeklagten hingewiesen hatte, wären 3/4 der Untersuchungen jedoch ohne jeden Grund zur Besorgnis gewesen.

Zum Ausgleich seiner leichten Anämie seien dem Angeklagten 2010 zudem 12 Blutkonzentrate verabreicht worden. Die Zahl der weißen Blutkörperchen beim Angeklagten würden zwar regelmäßig im unteren Normbereich liegen, die Zahl der Blutplättchen würden für eine sehr gute hämatopoetische, also blutbildende, Funktion des Blutes sprechen.

Interessant waren die Mitteilungen des Sachverständigen, wie er den Angeklagten bei der Untersuchung am 20.10.2010 in der JVA Stadelheim erlebt hatte: Die Verständigung mit John “Iwan” Demjanjuk habe sei problemlos möglich und der Angeklagte voll orientiert gewesen. Er habe seine (bekannten) Rückenschmerzen beklagt, zudem habe er nachts Schmerzen in den Beinen, was sich nach Einreibungen jedoch verbessere. Auch beklagte er einen empfindlichen Magen, das Essen in der JVA sei ”zu schwer”, er wünsche sich mehr Gemüse und Salat.

Einkäufe in der JVA würden durch für ihn “durch einen Mann erledigt”  – möglicherweise ein Mitgefangener -, er selbst habe dafür keine Zeit, “da er zu oft zu Gericht” müsse.  Zudem habe sich der Angeklagte darüber beklagt, daß er, nachdem ein Mithäftling entlassen worden sei, kein Fernsehen mehr schauen könne, in seiner jetzigen Einzelzelle gebe es ein Problem mit dem TV-Kabel.

Prof. Nerl berichtete weiter, daß der Angeklagte relativ gut zum Zeitgeschehen orientiert erschien. Er lese regelmäßig Zeitungen, vor allem eine ukrainische Zeitung, die ihm aus den USA übersandt werde.

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