US-Protokollführerin als Zeugin vor Gericht: Strafkammer setzt Beweisaufnahme fort

Mit der Vernehmung einer US-Amerikanerin, welche 1978  als Protokollführerin vor dem District Court in Ohio tätig gewesen war, setzt das Schwurgericht in München am kommenden Mittwoch, 06.10.2010, die Beweisaufnahme im Verfahren gegen John “Iwan” Demjanjuk fort. Als Stenotypistin war die Zeugin zwischen dem 20.04. und 02.05.1978 damit betraut, Fragen und Antworten eines Kreuzverhörs über John Demjanjuk Wort für Wort mitzuschreiben. Demjanjuk, der in vorliegendem Verfahren zu seinen Kriegserlebnissen – geschweige denn zu seiner mutmßlichen Tätigkeit als SS-Wachmann – keine Angaben machen will, hatte sich in dem 1978er Verfahren noch detailliert zu seiner Gefangenenahme als Rotarmist durch Deutsche Truppen und seinem weiteren Schicksal als Kriegsgefangener bis zur deutschen Kapitulation geäußert. Freilich hat Demjanjuk schon 1978, wie in allen folgenden Verfahren, stets bestritten, ein SS-Wachmann in Sobibor oder an anderen Einsatzorten gewesen zu sein.

Nach Ansicht der Müchener Staatsanwaltschaft lassen sich durch damaligen Aussagen des Angeklagten u.a. die Widersprüche beweisen, die aufgrund Demjanjuks früheren Angaben in behördlichen Antragsformularen entstanden sind, demnach also Falschangaben bei seiner Übersiedlung in die USA und späteren Einbürgerung.

Für die Hauptverhandlung am 05.10. sowie am 07.10.2010 plant die Strafkammer weiterhin die Verlesung von historischen Dokumenten, insbesondere von Vernehmungsprotokollen sowie damaligen Dienstschreiben, Ausweisen und Verlegungslisten, welche im Zusammenhang mit dem “Betrieb” der Vernichtungslager stehen.

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