Erneuter Eklat vor dem Schwurgericht

Vor dem Landgericht München II wurde heute mit der Vernehmung eines bayerischen LKA-Ermittlers begonnen, der in Zusammenarbeit mit der Zentralstelle  in Ludwigsburg die Ermittlungen gegen John Demjanjuk maßgeblich betrieben hatte.  Im Zuge seiner Recherchen hatte der Kriminalkommissar dabei auch Archive in Israel und den USA besucht sowie die Orte des ehemaligen Vernichtungslagers Sobibor und des SS-Ausbildungslagers Trawniki in Augenschein genommen.

Vor Beginn der Vernehmung kam es zu einem erneuten Eklat zwischen Verteidigung und Nebenklagevertretung. So forderte Verteidiger Dr. Busch u.a. Vertreter der Nebenklage auf, zu erklären, was sie mit dem Prozeß beabsichtigten, insbesondere ob sie damit die sog.  ”Holocaust-Industrie” betreiben würden. Mit diesem Schlagwort wird nicht nur in antisemitischen Kreisen das Klischee kolportiert, Juden verfolgten mit der Aufarbeitung des Holocaust auch finanzielle Interessen und die Jewish Claims Conference bereichere sich an Entschädigungsgeldern für jüdische Opfer.

Durch vier Nebenklagevertreter war daraufhin beantragt worden, diese Äußerung als mögliche Straftat in der Hauptverhandlung protokollieren zu lassen.

- zum Begriff “Holocaust-Industrie” siehe:

http://www.bpb.de/publikationen/EKE79A,0,0,HolocaustIndustrie.html

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