Das Kabinett des Dr. Busch

Vor dem Langericht München ist der Prozeß gegen John “Iwan” Demjanjuk gestern mit der Vernehmung des historischen Sachverständigen Dr. Pohl fortgesetzt worden.

Interessant war dabei weniger die Befragung des Historikers als die Äußerungen, mit denen sich der Verteidiger des Angeklagten Dr. Busch im Gerichtsaal bemerkbar machte. So kommentierte er beispielsweise grinsend eine Antwort des Sachverständigen, dieser müsse aufpassen, wenn er im Gerichtssaal sage, daß Juden mit Trawniki-Wachmänner in den Vernichtungslagern auch Tauschgeschäfte mit Lebensmitteln gemacht hätten, um überleben zu können: Hiermit spielte der Verteidiger auf die empörten Reaktionen an, die er wegen seiner wiederholten Gleichsetzung von jüdischen Opfern und ukrainischen SS-Wachmännern provoziert hatte. Ansonsten tat sich der Verteidiger abermals mit seiner Strategie hervor, historische und juristische Sachverhalte munter durcheinander zu würfeln.

“Die Gestapo hat doch durch Erhängen getötet, das habe ich im Gymnasium so gelernt”
(Verteidiger Dr. Busch auf die Antwort des Sachverständigen, daß Deserteure in den Vernichtungslagern im Einzelfall durch die SS erschossen worden wären)  

“Sie tun hier so, als hätten Sie die Moral gepachtet, Sie haben überhaupt keine moralische Legitimation, meinen Mandanten hier auf die Anklagebank zu bringen”
(Verteidiger Dr. Busch auf Beanstandungen einer Frage durch die Nebenklage)

“Sie sollten in Altersheime gehen, die noch lebenden Massenmörder holen und hier anklagen”
(Verteidiger Dr. Busch in Anspielung auf den ehemaligen Trawniki-Wachmann N., der vor Gericht als Zeuge gehört worden war) 

 “Ich muß hier gar nichts”
(Verteidiger Dr. Busch auf die wiederholte Rüge, daß er seine Vorhalte bei der Befragung durch Fundstellen belegen müsse)

“Das sehen außer Ihnen alle im Gerichtssaal anders”
(Vorsitzender Richter Alt´s Erwiderung hierauf)

“Das steht irgendwo zwischen Bl. 1500 und Bl.2000 der Akten”
(Verteidiger Dr. Busch´s Versuch, eine Fundstelle zu nennen)

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