Befragung des Hauptermittlers Walther abgeschlossen / Verteidiger sucht auf Nazi-Webseiten

Vor dem Landgericht München II ist die Befragung des ehemaligen Ermittlungsrichters der Zentralsstelle in Ludwigsburg, Thomas Walther, vergangene Woche abgeschlossen worden. 

Im Laufe der – zum Teil sehr hitzig durchgeführten – Beweisaufnahme kam es erneut zu Zusammenstößen zwischen Verteidigung, Gericht und Nebenklage.  Auf alles andere als Verständnis traf dabei der Versuch des Verteidigers Dr. Busch, dem Zeugen Walther Unterlagen aus Internet-Quellen vorzulegen, auf denen eindeutig antisemitisches und  rassistisches Material zu finden ist. So wird auf diesen Seiten u.a. die in rechtsradikalen Kreisen beliebte Behauptung publiziert, wonach es eine Massenvernichtung in Sobibor historisch nicht gegeben haben könne, das Wort Gaskammer wird auf diesen Webpages allenfalls in Anführungszeichen zitiert.

Zwar rechtfertigte sich der Verteidiger im Prozeß damit, daß ihn der Inhalt dieser Seiten nicht interessiert habe, vielmehr habe er dort nur im Netz verfügbare Kopien des Wachmann-Dienstausweises des Anklagten heruntergeladen. Bereits ein kurzer Selbstversuch ergibt allerdings, daß man auf diesen rechtsradikalen Webseiten nicht einfach Dokumente herunterladen kann, vielmehr muß man nach diesen intensiv suchen und wird dabei auch des eindeutig rechtradikalen Charakters der Seiten gewahr.

Der Verteidiger, der bislang in einer Vielzahl von Erklärungen allen anderen Verfahrensbeteiligten die Kenntnis der mit „Händen zu greifenden historischen Wahrheit“ in diesem Verfahren abgesprochen hat, könnte durch diese Strategie allerdings seinen Anspruch verlieren, in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht Gehör zu finden.

In einem aktuellen Interview in Spiegel-Online hat Nebenklagevertreter Prof. Nestler noch einmal ausführlich zu dem Verfahren aus Sicht der Nebenklage Stellung genommen:

(http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,677299,00.html)

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