Testet Demjanjuk die Geduld des Gerichts ? Vernehmung des Chefermittlers Walther erneut vertagt

Aufgrund Unwohlseins des Angeklagten ist die Hauptverhandlung gegen Demjanjuk am 04.02.2010 überraschend unterbrochen worden. Nach Mitteilung des des Vorsitzenden Richters Alt habe Demjanjuk in der JVA Stadelheim über “Schwindel” geklagt, wobei eine genauere medizinische Indikation nicht mitgeteilt worden sei. Auch habe dem Angeklagten nicht “behagt”, daß er am Vortag erst mit einigen Stunden Verspätung von der Routinebehandlung im Krankenhaus wieder in die JVA zurückgebracht worden sei. Das Gericht ordnete an, daß sich ein Sachverständiger in der JVA ein eigenes Bild über den Gesundheitszustand von John Demjanjuk machen solle und vertagte die Sitzung auf Dienstag, 09.20.2010. 

Aus den Kreisen der Verfahrensbeteiligten wird zunehmend bezweifelt, daß Demjanjuk gesundheitlich nicht in der Lage sein soll, bei Gericht zu erscheinen. John Demjanjuk könnte der Versuchung erliegen, auszuloten, ob er mit seiner wiederholten Weigerung den Fortgang des Verfahrens hemmen könnte. Im Gegensatz zu den Rechtsordnungen anderer Länder ist es nach deutschem Strafprozeßrecht grundsätzlich unzulässig, ohne den Angeklagten zu verhandeln. Sollte das Gericht jedoch nicht die Überzeugung gewinnen, daß Demjanjuk tatsächlich aus ernstzunehmenden gesundheitlichen Gründen fernbleibt, könnte zukünftig ohne weiteres die Zwangsvorführung des Angeklagten beschlossen werden.

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