Chefermittler stellt klar: “Ermittlungen folgten dem Gesetz”

In seiner heutigen Zeugenaussage vor dem Schwurgericht stellte der ehemalige Chefermittler der Zentralsstelle in Ludwigsburg, Thomas Walther, klar, daß die durch ihn 2008 aufgenommenen Ermittlungen streng nach Gesetz erfolgt seien. Auch die eher laxe Rechtsprechungspraxis insbesonder der 1960er Jahre hätte für ihn kein Grund sein dürfen, jetzt noch mögliche Ermittlungen ruhen zu lassen. “Es ergab sich aus dem Gesetz, wie man geltendes Recht auf einen Fall wie Demjanjuk anwenden kann”, so der Zeuge, dessen Behörde im Okober 2008 die Vorermittlungen abschließen und den Fall sodann an die Staatsanwaltschaft München abgeben konnte.  

Erster Anstoß für eigene Ermittlungen seien amerikanische Gerichtsentscheidungen gewesen, die er 2008 im Internet gefunden hatte. Diesen Urteilen, in denen es um die erneute Ausbürgerung Demjanjuks aus den USA gegangen sei, habe Walther die Feststellung entnommen, daß Demjanjuk als Wachmann in der Vernichtungsmaschinerie von Sobibor an der Ermordung tausender Juden beteiligt gewesen sei. Durch weitere Ermittlungen in den USA, Israel und Deutschland habe Walther sodann die Unterlagen zusammen getragen, welche Aufschluß über damalige Aufenthaltsorte des Angeklagten gegeben hätten.

Keinem Zweifel habe schließlich unterlegen, daß Demjanjuk als sog. fremdvölkischer SS-Wachmann “hoheitliche” Aufgaben der SS und damit des deutschen Reiches ausgeführt habe und somit als “Amtsträger” auch heute noch der deutschen Justiz unterfalle, so Walther.  Auch die Tötung deutscher Juden in Sobibor, belegt durch ausreichende historische Quellen, begründe die Zuständigkeit eines deutschen Gerichts, unabhängig von der damaligen  Lage des Vernichtungslagers Sobibor in Ostpolen.

Durch eine Vielzahl historischer Dokumente konnte Walther zudem anschaulich demonstrieren, daß Demjanjuk nach dem Krieg immer wieder in Antragsformularen oder Melderegistern selbst angegeben habe, daß er die Jahre 1937-43 in Sobibor zugebracht habe, wenngleich auch nur als Farmer bzw. Kraftfahrer. Ermittler Walther hatte im Zuge seiner Ermittlungen sogar eine alte Meldekarte im Bürgermeisteramt von Feldafing auffinden können, wo sich Demjanjuk nach dem Krieg als sog. Displaced Person einige Zeit aufgehalten hatte: Auf der Rückseite der Meldekarte hatte Demjanjuk dabei als Aufenthaltsort am 01.09.1939 “Sobobor/Polen” vermerken lassen.

Demjanjuk hatte in früheren Vernehmungen vor amerikanischen und israelischen Gerichten stets behauptet, nie in Sobibor gewesen zu sein und wahlweise angegeben, diesen Ortsnamen habe er einer polnischen Landkarte entnommen oder “Sobibor” sei bei der Antragsausfüllung durch den Konsularbeamten kurzerhand eingetragen worden, nicht aber durch ihn. Anhand einer deutschen Heereskarte von 1943 konnte der Zeuge Walther jedoch veranschaulichen, daß das Straßendorf Sobibor – offiziell ein völlig unbedeutender Flecken an der Grenze zur Ukraine – wohl nur jemandem bekannt gewesen sein kann, der hierzu auch einen Bezug gehabt haben muß.

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