Vernichtungsalltag in Sobibor: Erschütternder Bericht eines Überlebenden

Am 21.01.2010 ist als weiterer überlebender Sobibor-Häftling Philip Bialowitz als Zeuge vernommen worden. In Polen geboren und  aufgewachsen, wurde Bialowitz als Jugendlicher ebenfalls im April 1943 nach Sobibor verschleppt, wo er als Zwangsarbeiter mehrere Monate in dem Vernichtungslager überlebte, bis auch ihm bei dem Aufstand im Okober 1943 die Flucht aus Sobibor gelang.

Er berichtete, daß er bereits einen Tag nach seiner Ankunft in Sobibor von einem anderen Häftling erfahren mußte, daß dieser seinen – Bialowitz´ – Schwestern die Haare geschoren hatte, bevor die Mädchen in die Gaskammer geschickt worden seien. Eingehend schilderte der Zeuge sodann den grausamen Lageralltag sowie Szenen beim Ausladen von Transportzügen, deren Insassen aus Holland und Deutschland bis zum Schluß nicht gewußt hätten, daß sie ihrem sicheren Tod entgegengehen würden. Manche Holländer hätten ihm, dem Arbeitssklaven, ein Trinkgeld für seine Hilfe beim Austeigen angeboten, er selbst habe aber gewußt, daß all diese Menschen binnen einer Stunde ermordet würden.  

Als einmal ein Transport mit Viewaggons gekommen sei, sei eine große Zahl der mutmaßlich polnischen Juden bereits tot gewesen: Die Leichen vor Augen, habe sich Bialowitz selbst auf den Boden gelegt in der verzweifelten Erwartung, daß der SS-Aufseher ihn dann kurzerhand erschießen werde. Der SS-Mann habe ihn jedoch wieder hochgezogen und ihm wegen des Verwesungsgeruchs eine Zigarette in den Mund gesteckt. Amschließed habe der SS-Mann eine tote Mutter mit ihrem ebenfalls toten Kind mit den Worten “was für ein schönes Bild” fotographiert und sei weggegangen. Speziell diese Szene verfolge den Zeugen noch heute bis in den Schlaf .

 Der in englisch abgefaßte Zeugenbericht, den Herr Bialowitz – auch aufgrund seines hohen Alters – schriftlich abgefaßt und verlesen hatte, ist mit ausdrücklicher Zustimmung des Zeugen sowie seiner Anwälte nachfolgend abrufbar:

Statement read by Philip Bialowitz for the court during the John Demjanjuk trial on 21.01.2010

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